Kompostphilosophien

22. Januar 2015

Auch wenn der Garten grundsätzlich ein friedlicher Ort ist, gibt es zuweilen Themen, die Anlass zu Auseinandersetzungen geben. Dazu zählt das Kompostieren. Das «Wie» und «Wo» variiert je nach angewandter Verrottungs-Philosophie mehr oder weniger stark. Was dazu führt, dass vor allem in Siedlungen, in denen mehrere Parteien denselben Kompost hegen, ob dem Grüngut auch Mal rote Köpfe entstehen. Denn immer wieder finden sich, versteckt zwischen Salatblättern und Kartoffelschalen Dinge, die da nicht hingehören, wie gekochte Essensreste oder gar einzelne Plastikfetzen. Und während der eine dafür ist, Eierschalen beizumengen, findet die andere, Orangenschalen seien nun wirklich zu exotisch, um auf Schweizer Boden kompostiert zu werden. Leider enden viele Diskussionen in der Resignation, worauf die Küchenabfälle wieder im Hauskehricht landen.

Das ist schade, denn der Verrottungsprozess im eigenen Garten ist ein wunderbares Lehrstück fürs Leben und unverzichtbarer Bestandteil eines ökologischen, vielfältigen Aussenraums. Es ist faszinierend, zu beobachten, wie aus Bananenschalen und Pflanzenresten innert weniger Monate nährstoffreiche, krümelige Erde – das «Gold des Gärtners» – entsteht. Es lohnt sich darum, dran zu bleiben und bei komposttechnischen Meinungsverschiedenheiten aktiv nach Lösungen zu suchen.

Schaut man sich die Standorte der Kompostbehälter in den Gärten an, erkennt man schnell: Sie stehen meist an jenem Punkt, der am allerweitesten vom Haus entfernt liegt, nach dem Motto «aus den Augen, aus dem Sinn». Denn dem Kompost eilt der schlechte Ruf voraus, er stinke zum Himmel. Wer sich jedoch näher damit auseinandersetzt, merkt schnell, dass die organische Materie, wenn gut geschichtet und regelmässig umgesetzt, nahezu geruchsneutral ist.

Erlösen wir den Kompost doch von seinem stiefmütterlichen Dasein am Rande des Gartens und räumen ihm den Platz ein, den er verdient hat. Wichtig ist es, genügend Raum und eine ebene Fläche einzuplanen, um den bequemen Zugang zu gewähren. Bei der Wahl des Behälters lässt sich optisch viel herausholen. Warum nicht statt der Plastikbox oder dem Metallgitter auf eine ästhetisch ansprechende Version aus Holz setzen? So wird der «blinde Fleck» schnell zum gewertschätzten Bestandteil des Gartens.

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«Es liegt an uns, in der Verwesung des Komposts das Saatbeet des Frühlings zu sehen».
Autor unbekannt (Bild: Holger/pixelio.de)

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Plädoyer für die Gartenkultur

11. Dezember 2014

Der Umgang mit Gärten ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. Über die Jahrhunderte haben sich Gestaltungsgrundsätze, Pflanzenverwendung und Nutzungsansprüche laufend gewandelt. Genauso wichtig wie das Erhalten historischer Anlagen ist es, die neu entstehenden Freiflächen sorgsam zu gestalten. Heute geraten diese durch den nach innen wachsenden Siedlungsraum zunehmend in Bedrängnis.

Der knappe Raum, gekoppelt mit dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Grün generiert bei den Gestaltern viel Kreativität. Statt in die Breite lassen sie die Grünflächen in Grossstädten zunehmend in die Vertikale wachsen. Pflanzenkünstler wie der französische Botaniker Patrick Blanc hüllen mit ihren wundervollen vertikalen Gärten ganze Hochhäuser in ein Pflanzenkleid. So geschehen beim Gebäude «One Central Park» (OCP) in Sydney. Solche zukunftsweisenden Projekte sind für mich Ausdruck einer innovativen Gartenkultur des 21. Jahrhunderts. Sie sind nicht nur optisch faszinierend, sondern spielen in Zeiten der Klimaerwärmung auch eine wichtige ökologische Rolle.

Nebst wegweisenden Grossprojekten leistet in meinen Augen aber auch das Wirken jedes Einzelnen in seinem eigenen Garten einen wichtigen Beitrag dazu, dass wir uns für die Zukunft eine facettenreiche Gartenkultur bewahren können. Denn nur wer selber gärtnert, weiss den wahren Wert eines Grünraums zu schätzen und setzt sich für dessen Erhalt ein.

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Die Gartenkultur ist ein wertvolles gesellschaftliches Gut, das stets im Fluss ist.

Während des vergangenen Jahres habe ich meine Ansichten, Einschätzungen und Beobachtungen mit euch geteilt und hoffe, damit die eine oder andere Diskussion angeregt zu haben. 2015 geht der Blog in die zweite Runde, doch zunächst tut er es der Natur gleich und geht für einige Wochen in die Winterpause. Pünktlich mit den ersten Schneeglöckchen sind meine Gedanken wieder online. Ich freue mich auf das Schreiben neuer Blogs als Plädoyer für die Gartenkultur.

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Mit diesem Bild verabschiedet sich der Gartenkulturblog in die Winterpause.

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Gärten in Frauenhand

7. Dezember 2014

Manchmal scheint es mir, Gärten seien überwiegend Frauensache. In Kundengesprächen kristallisiert sich oft heraus, dass Frauen eher in Stimmungsbildern denken und farblich abgestimmte Pflanzenkombinationen im Kopf haben, während Männer das Thema Gartengestaltung eher pragmatisch angehen. So soll ein Baum nicht einfach Baum sein, sondern am liebsten auch noch Obst tragen, damit der Nutzwert gegeben ist. Eine Mauer soll in erster Linie die Böschung stützen. Aus welchem Stein sie gebaut ist, ist oft zweitrangig. Während die Frauen vom Gärtnereibesuch regelmässig neue Staudenraritäten mit nach Hause bringen und mit ihren Freundinnen stundenlang darüber fachsimpeln können, ob sich nun die dunkelrote Rose besser ins Beet einfügt als die Rosafarbene, sind die Männer schon vollauf zufrieden, wenn sie sich beim Rasenmähen entspannen und anschliessend über die getane Arbeit freuen können.

Klar ist dieses Bild etwas überzeichnet, und ich möchte an dieser Stelle mitnichten pauschalisieren. Natürlich besitzen auch viele Männer einen sehr grünen Daumen und machen davon auch Gebrauch. Nebst weiblichen Gartenlegenden wie Vita Sackville-West (1892-1962) oder Beth Chatto gibt es durchaus auch berühmte Männer, die mit Leib und Seele gärtnern. Zu ihnen zählen etwa der niederländische Gartengestalter Piet Oudolf mit seinen stimmigen Gräsergärten, oder auch Christopher Lloyd (1921-2006) der mit «Great Dixter» ein wahres Gartenparadies geschaffen hat.

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Ist der Garten Frauensache? (Bild: Uwe Wagschal/pixelio.de)

Vermutlich braucht ein Garten die weibliche ebenso wie die männliche Komponente, um vollkommen zu sein. Versuchen wir Männer doch, uns gartentechnisch zu emanzipieren und immer mal wieder über Rasenmäher und Kantenschneider hinauszuschauen. Denn es ist pure Freude, einen Aussenraum über die Jahre zu begleiten und sich an seiner Weiterentwicklung aktiv zu beteiligen!

Alles auf freiwilliger Basis natürlich, schliesslich gibt`s im Garten – anders als in der Führungsetage börsenkotierter Firmen – ja bislang keine Männerquote.

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Wenn der Garten Früchte trägt

28. November 2014

Im Zuge des «essbaren Gartens», der in den letzten Jahren an Popularität zugenommen hat, sind Apfel und Co hoch im Kurs. Dank speziell gezogenen Wuchsformen ist auch in kleinen Gärten Erntegenuss möglich. Für mich ist der Apfelbaum nebst der Rose, über die ich bereits in einem vergangenen Blog berichtete, ein eigentliches Symbol der Gartenkultur. Aus ungeniessbaren Wildäpfeln entstanden durch Züchtungen bereits vor Jahrhunderten die ersten Tafeläpfel. Bis heute gelangen immer neue Sorten mit veränderten Eigenschaften und Geschmacksnuancen auf den Markt. Ein Schweizer Apfelzüchter hat mir einmal verraten, dass sich die Geschmäcker punkto Äpfel nach geografischen Regionen stark unterscheiden. So hätten Asiaten tendenziell lieber sehr süsse Sorten, während die Europäer nebst der süssen auch eine säuerliche Komponente bevorzugten. Auch wenn bei Obstbäumen klar der Nutzwert im Vordergrund steht: Wer sie in seinen Garten integriert, sollte sich auch von gestalterischen Überlegungen leiten lassen. Denn die Erntezeit ist vergleichsweise kurz, und es lohnt sich, die Bäume so ins Gesamtbild zu integrieren, dass sie ganzjährig wirken. So pflanzen wir in unseren Gärten Niederstammobst nicht selten mitten in Blumenrabatten, um stimmige Bilder zu generieren.

Ein äusserst kreativer Umgang mit Obstbäumen ist im südschwedischen Schlossgarten Sofiero zu sehen. Man betritt den Nutzgarten nicht durch einen klassischen Rosen-, sondern einen Apfelbogen, und die einzelnen Beete sind von niedrigen, fast bonsaiartig gezogenen Obstspalieren eingefasst, die kaum höher sind als 30cm. In ausladenden Rasenflächen stehen knorrige, uralte Charakter-Apfelbäume, die teils von geschnittenen Buchskörpern umspielt sind. Die Bilder zeugen für mich von einer lebendigen Gartenkultur, die Bestehendes mit stets neuen Ideen weiterentwickelt.

Übrigens: Die einsetzende Vegetationsruhe ist der optimale Zeitpunkt, um Obstbäume zu pflanzen!

Kreativer Umgang mit Obstbäumen im Schlossgarten von Sofiero in Südschweden:

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…ein Apfel- statt eines klassischen Rosenbogens…

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…und ein Apfelspalier, der gerade Mal 30cm hoch ist!

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Viel Wind um den Laubbläser

20. November 2014

Diese Tage wirbeln die letzten Herbstblätter durch die Luft. Kaum zu Boden gefallen, schon pustet sie der Laubbläser dorthin, wo der ordnungsliebende Mensch sie haben will. Selbst in den Bergen bleibt man von den lauten Maschinen nicht verschont. Immer mehr Landwirte mit steilen Wiesen spedieren das Heu lieber per Laubbläser ins Tal hinunter, statt den Rechen in die Hand zu nehmen. Ebenso beliebt sind die staubaufwirbelnden Geräte im Gartenunterhalt oder bei Hauswartungen. Der Trend greift um sich und führt insbesondere in dicht besiedelten Gebieten zu vermehrten Diskussionen über Sinn und Unsinn. Seit Oktober haben die Behörden der österreichischen Städte Graz und Leibnitz die Geräte komplett verbannt und das Verbot wie folgt umschrieben, damit auch garantiert keine Missverständnisse entstehen: «Der Betrieb von Laubbläsern, Laubsaugern sowie von Laubsauger- und Laubbläserkombinationsgeräten ist im gesamten Stadtgebiet ganzjährig verboten». Als künftigen Ersatz schlagen sie offiziell Besen und Rechen vor. Grund für den Bann ist nicht in erster Linie der Lärm, sondern der aufgewirbelte Feinstaub, welcher zur Luftverschlechterung führt. Den Laubbläsern wird zudem nachgesagt, dass sie gesundheitsschädigende Bakterien aufwirbeln.

Ob ein Verbot die richtige Massnahme ist, wage ich zu bezweifeln. Vielmehr sollte man als Stadt mit Informationskampagnen an den gesunden Menschenverstand appellieren. Wie in so vielen Fällen ist auch hier Augenmass gefragt, denn es gibt durchaus Situationen, in denen der Laubbläser angebracht sein mag.

Damit es bei uns nicht bis zum Verbot kommen muss, sollten wir präventiv vermehrt zum Rechen greifen. Das «Lauben» ist nämlich eine wunderschöne Beschäftigung, die einen den Herbst in vollen Zügen geniessen lässt!

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Der gute alte Laubrechen hat noch lange nicht ausgedient!

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Winterschutz mit Stil

13. November 2014

Wenn der Winter naht, wird so mancher Gartenbesitzer zum Verpackungskünstler und hüllt seine Lieblingspflanzen ein, um sie vor Frost und Kälte zu schützen. Ein Berufskollege, der in Zürich tätig ist, erzählte mir unlängst von mobilen Palmen-Gewächshäusern aus Plastikfolie, die er in den Gärten der Region vermehrt gesichtet habe. Wie überdimensionale Pilze stehen sie da und sorgen dafür, dass die südländischen Gewächse den Winter im Freien unbeschadet überstehen. Wer für noch mehr Komfort und Überwinterungsgarantie sorgen will, kann sogar Pflanzenheizungen kaufen, die stets temperierte Wurzeln gewähren. Die eingelegten Heizkabel schalten sich via Thermostat automatisch ein, wenn die Temperatur unter 5° fällt.

Ich möchte den Sinn des Winterschutzes im Garten keineswegs in Frage stellen. Es gibt viele Situationen, in denen schützende Massnahmen unabdingbar sind. Gerade in den Bündner Höhenlagen ist etwa das Zusammenbinden von Gräsern und Sträuchern wichtig, um sie vor dem Schneedruck zu schützen. Ebenso sinnvoll ist es, die Rosen mit Tannenästen zu schützen. Nur ist es in meinen Augen eine Überlegung wert, welcher Aufwand gerechtfertigt ist, um ein Gewächs sicher durch den Winter zu bringen. Warum nicht ein dem lokalen Klima angepasstes Gehölz pflanzen, statt eine exotische Palme auszuwählen, um diese dann bis zur Unkenntlichkeit zu verhüllen, indem man ein unästhetisches Plastikgewächshaus über ihre Wedel stülpt? Schliesslich soll der Garten auch im Winter ein ansprechendes Bild bieten, damit der Blick aus dem Wohnzimmer zu jeder Zeit Freude bereitet.

Wenn Winterschutz, dann zurückhaltend und mit Stil! Dafür eignen sich natürlich wirkende Materialien, die sich in die Umgebung einpassen. So kleiden wir zum Beispiel in Kundengärten neu gepflanzte, südexponiert stehende Tannen zu Beginn über die kalte Jahreszeit mit Jutegewebe ein, um sie vor zu starker Sonneneinstrahlung und daraus folgenden Trockenschäden zu schützen. Dabei achten wir darauf, die Bäume nicht wie leblose Pakete einzuschnüren, sondern sie so einzupacken, dass sie trotz Winterschutz ein dekoratives Bild abgeben.

 

Dekorativ zusammengebundene Gräser verleihen dem winterlichen Garten Struktur.

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Tue Gutes und pflanze einen Baum

7. November 2014

Kaum eine Arbeit des Gartenbauers ist so positiv besetzt wie das Pflanzen eines neuen Baumes. Man setzt auf die Zukunft, tut etwas für die Umwelt und fürs Auge. Vergangene Woche durften wir den Park des Alters- und Pflegeheims «Neugut» in Landquart gleich um 24 Bäume bereichern. Mit einem Stammumfang bis 45 Zentimeter zählen die gepflanzten Exemplare zu den Grossbäumen. Diese setzen bei der Pflanzung besonders grosse Sorgfalt voraus. Schon der Transport ist eine logistische Herausforderung, bei der es gilt, jegliche Verletzung von Wurzeln, Stamm und Krone tunlichst zu vermeiden. Die Baumgrube muss genügend gross ausgehoben, der Baum vorsichtig platziert sein. Zur Befüllung dient ein speziell zusammengesetztes Substrat. Der Wurzelraum muss stets gut belüftet sein und genügend Wasser bekommen. Verwendet man Grossbäume, bieten diese sofort nach der Pflanzung ein stattliches Erscheinungsbild und wirken, als ob sie bereits seit vielen Jahren an ihrem neuen Standort wüchsen.

Der Wunsch, Grossbäume in den Garten zu pflanzen, scheint übrigens – so entnehme ich der Gartenliteratur – schon vor Jahrhunderten dagewesen zu sein. Mit dem Einsatz von Ochsen und mit viel Handarbeit sollen für die standesgemässe Bepflanzung der Barockgärten nicht selten aus den umliegenden Wäldern Bäume herangeschafft worden sein.

Heute setzen wir beim Umpflanzen alter Bäume ganz neue Massstäbe. Dank modernster Maschinen und Transportmittel sind Aktionen möglich, die vor noch nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen wären. So nahm beispielsweise Ende September in Dübendorf eine erfahrene Baumschule die Verpflanzung einer 10 Meter hohen und über 80 Jahre alten Rosskastanie an die Hand. Sie musste einem Bauprojekt weichen und wartet nun an ihrem temporären Standort in der Baumschule auf ein neues Zuhause. Kosten soll der Baum seinen neuen Besitzer rund 40`000 Franken.

Solche Rettungsaktionen sind faszinierend und für mich Ausdruck von einer Ehrfurcht, wie wir sie gegenüber den lange gewachsenen Bäumen vermehrt haben sollten.

Grossbaum

Grossbäume entfalten ihre Wirkung sofort nach der Pflanzung.

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Elektrogeräte gegen Lärmbelastung

30. Oktober 2014

Sie kennen es bestimmt: Mit dem Kaffee in der Hand setzen Sie sich auf die Gartenterrasse, um sich nach einem langen Arbeitstag in Ruhe die letzten Abendsonnenstrahlen zu gönnen – da wirft der Nachbar seinen Laubbläser an und schafft lautstark Ordnung in seinem Garten. Dabei sind die Geräuschemissionen, denen wir täglich ausgesetzt sind, schon genug hoch. Autos, Züge und quietschende Trams halten unsere Ohren auf Trab. Da haben die motorisierten Gartengeräte gerade noch gefehlt… Oft sind sie der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und zu nachbarschaftlichen Unstimmigkeiten führt. Insbesondere im verdichteten Wohnraum sind lärmintensive Gartenarbeiten nicht selten ein Reizthema.

Höchste Zeit, Gegensteuer zu geben. Denn mit den Elektrogeräten, die über die letzten Jahre in ihrer Leistung stark optimiert wurden, sind valable geräuscharme Alternativen auf dem Markt. Wir haben in unserem Betrieb mittlerweile rund drei Viertel des Bestands – von der Motorsäge über die Heckenschere bis hin zum Laubbläser – auf Akku-Geräte umgestellt. Sie sind nicht nur leise, sondern überdies auch leichter, abgasfrei und unterhaltsarm. An eine Batterie, die der Anwender bequem auf dem Rücken trägt, lassen sich die verschiedenen Geräte anschliessen.

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Elektrogeräte ermöglichen geräuscharmes Arbeiten im Garten (Werkfoto Pellenc).

 

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Peter Jankes Garten

25. Oktober 2014

Vor drei Wochen waren wir zu Besuch bei Peter Janke, einem der führenden deutschen Gartendesigner (www.peter-janke-gartenkonzepte.de). Er verfügt über ausgezeichnete Pflanzenkenntnisse und hat in Hilden bei Düsseldorf einen Schaugarten auf höchstem pflanzengestalterischen Niveau angelegt. Seine Ausbildnerin in England war Beth Chatto, die nicht nur als Altmeisterin des Staudengartens gilt, sondern auch als Vorreiterin nachhaltiger Gartenkonzepte.

Auch für Peter Janke gilt: Eine gelungene Bepflanzung setzt den Standort vor die Pflanze. Nur wenn die zu verwendende Pflanze für einen bestimmten Standort geeignet ist, lässt sie sich erfolgreich in ein Gesamtkonzept einbinden.

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Der Schaugarten von Peter Janke ist ein poetischer Naturraum mit unterschiedlich bepflanzten Bereichen.

Janke legte seinen 1,4 Hektar umfassenden Garten 2006 an. Trotz der thematischen Vielschichtigkeit bildet er ein grosses Ganzes: Der Kiesgarten mit seinen trockenheitsverträglichen Gewächsen, die von Buchen und Eichen gesäumten Wege durch den Waldgarten, der formale Silbergarten oder die «Stewartia»-Allee. Der poetische Naturraum des jungen Berufskollegen hat uns berührt. Auf meine Frage, wie es möglich ist, einen so grossen Schaugarten auf diesem aussergewöhnlich hohen Niveau zu pflegen, erhielt ich eine simple Antwort: «Ich betrachte ihn als meinen Garten». Und genau das fühlten wir auf Schritt und Tritt.

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Peter Jankes Gärtnerei bietet ein ungewöhnliches Sortiment mit wahren Pflanzenschätzen an, dazu gibt es allerlei Nützliches und Schönes für Haus und Garten.

 

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Gegen Produktion in Billigländern

22. Oktober 2014

Ein bisschen gestaunt habe ich schon, als wir uns während unseres Belgien-Aufenthalts auf dem Weg zu einem der weltweit angesagtesten Produzenten von Pflanzgefässen in einem typischen Industriequartier mit aneinandergereihten Gewerbehallen wiederfinden. Zwischen den Gebäuden liegen mehr oder weniger öde Freiräume, hier und da ein bisschen Abstandsgrün.

Sind wir hier an der richtigen Adresse? Herzlich werden wir vom Seniorchef und einem seiner drei Söhne in Empfang genommen. Nach einer Tasse Kaffee begeben wir uns auf einen Rundgang durch die Produktionsstätte. Vorbei an versandbereiten Bestellungen erhaschen wir einen Blick auf die Zustelladressen: Amerika, England, Naher Osten, Ferner Osten, Mittelmeergebiet, Russland – und natürlich auch die Schweiz.

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Zu Besuch bei einem der angesagtesten Pflanzgefäss-Produzenten in Belgien. Jeder Topf ist ein handgefertigtes Unikat.

In der Produktionshalle stossen wir auf lichtdurchflutete Räume und eine regelrechte Atelierstimmung. Welch ein Kontrast zu der von aussen kühl und anonym wirkenden Gewerbehalle. Die Mitarbeiter sind emsig am Werk, fertigen Hohlformen, streichen Ton in die Formen oder bearbeiten die Oberfläche der Gefässe – alles in Handarbeit, jedes Gefäss ist ein Unikat.

Belgien ist bekannt für qualitativ hohes Design und bietet gerade für exquisite Pflanzgefässe einige spannende Adressen. Was mich beeindruckt hat: Belgien ist europaweit ein Hochlohnland, die Rohstoffe sind importiert – weshalb also die Pflanzgefässe in Handarbeit ausgerechnet hier produzieren? Die Gründe sind so einfach wie einleuchtend. Der Betriebsinhaber erklärt uns: «Wieso die Produktion in ein Billigland auslagern, wenn ich hier mein Leben, meine Familie und mein Netzwerk habe? Wichtig ist das Produkt, seine Einzigartigkeit und stetige Weiterentwicklung». Auf ein Händlernetz verzichtet man bewusst, denn dieses würde zu unnötigen Verteuerungen führen. Eine nachhaltige Praxis und eine Philosophie, derer sich viele Konzerne annehmen könnten!

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Ein geheimnisvoller Gartenweg voller Blumenschätze

12. Oktober 2014

Unterwegs von Antwerpen nach Brügge machen wir halt in Sint-Niklaas. Ein Freund und guter Pflanzenkenner hat uns hier eine kleine Dorfgärtnerei empfohlen, unscheinbar und authentisch. Herzlich werden wir vom Inhaber Koen van Poucke empfangen. Er führt uns durch seine Pflanzenproduktionen und schon bald merken wir, dass Koen ein absoluter Pflanzenfreak ist. Er lebt mit und von seinen geliebten Blütenstauden. Allen voran Schattenpflanzen und Dahlien. Seine Sammlung umfasst unter anderem 200 verschiedene Elfenblumen (Epimedium), aber auch viele chinesische und japanische Raritäten, welche er selber von seinen Gartenreisen nach Hause bringt. Zum Sortiment gehören entweder gut gedeihende Gartenschätze oder aber ganz seltene Pflanzenarten mit hohem Sammlerwert.

Bei schönstem Herbstwetter führt er uns durch das Mutterpflanzenquartier. Meine Tochter erfreut sich an den goldgelb leuchtenden Samenständen vom Lampenputzergras (Pennisetum alupecuroides f. viridescens) und ich ergötze mich nicht weniger an den üppig in allen Farben blühenden Dahlien. «Was ich an den Dahlien so gerne mag, ist das plötzliche Verschwinden der ganzen Blütenpracht auf einen Schlag, an einem bestimmten Herbsttag», erklärt uns Koen, bevor er uns in einen ganz speziellen Gartenteil mitnimmt.

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Ein verwunschenes Gartenzimmer mit Pflanzen-Raritäten für schattige Bereiche.

Unversehens stehen wir in einem langen Gartenzimmer, eingerahmt von dichten Hecken und gegen oben hin mit einem Dach von aufgeasteten Haselsträuchern begrenzt. Der schnurgerade Weg in der Mitte ist von niederen Buchshecken eingefasst. Unter den Haseln entdecken wir weitere Gartenschätze für den Schatten. Hier werden die Neuheiten auf Robustheit und Zierwert überprüft und ergeben erst noch ein wunderschönes, herbstliches Gartenbild. Van Poucke verrät uns, drei Jahre beim berühmten belgischen Landschaftsarchitekten Jaques Wirz gearbeitet zu haben. Auch dieser hatte zu Hause einen Gartenteil, der dem persönlichem Experimentieren vorbehalten war. Nur so kann ein guter Gestalter Erfahrungen sammeln und diese an seine Kundschaft weiter geben.

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Instant Garden

2. Oktober 2014

Wir sind auf Gartenreise in Belgien. Was uns ausgerechnet dorthin führt? Nun, heute haben wir uns dem Thema Instant-Gardening gewidmet. Wir besuchten eine Baumschule, welche auf Solitär-Gehölze spezialisiert ist. Faszinierend daran ist, dass die mächtigen Bäume, einmal verkauft und in ihrer neuen Heimat eingepflanzt, von Beginn an dafür sorgen, dass ein Garten wirkt, als wäre er fixfertig und über Jahrzehnte eingewachsen.

Die Pflanzen, welche wir heute zu sehen bekamen, versetzen mich ins Staunen. Viele Jahre, ja Jahrzehnte waren nötig, bis sie die gewünschte Grösse hatten. Aber nicht nur die Grösse ist wichtig, sondern auch die entsprechende Form. Jedes Gehölz ist ein Unikat, welchem entsprechender Respekt gebührt. Kürzlich wurde in der Baumschule ein Gewächshaus mit einer Höhe von 13 Metern gebaut, das dem Besitzer erlaubt, seine Zöglinge wirkungsvoll auszustellen. Die Kunden können ihre Wunschbäume nun also sogar trockenen Fusses auslesen… Doch mir ist ein Rundgang durch die Baumschule sympathischer. Hier spürt man die Natur besser. Was wollen uns die Bäume erzählen? Was haben sie erlebt? Wer sind ihre Nachbarn? Weshalb sind sie so gewachsen wie sie sich uns präsentieren?

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Pflanzenauswahl für den Instant Garten: Ein Landschaftsarchitekt ist mit seiner Kundschaft im 13 Meter hohen Präsentations-Gewächshaus einer belgischen Baumschule unterwegs.

Während unserem Rundgang in den Aussenquartieren stossen wir auf eine riesige, rund 30 Meter lange Pflanzenskulptur. Der Besitzer erklärt uns, dass es sich dabei um eine Eibenwolke handelt, welche die Baumschule auf Kundenwunsch über Jahre angefertigt hat. Leider hat sich der Auftraggeber am Ende doch entschieden, kleinere Pflanzen zu kaufen, und so ist die Skulptur bis heute in der parkähnlichen Baumschule stehengeblieben.

100jährige Hainbuchen, 6 Meter breite japanische Ahorne oder 15 Meter hohe Eichen: Der Pflanzengrösse sind fast keine Grenzen gesetzt. Alles ist möglich, was irgendwie auf einen LKW passt. Und Spezialtransporte sind im Instant-Gardening keine Seltenheit. Nur, mit der Pflanzengrösse alleine entsteht noch kein stimmiger Garten. Gefragt ist ein fundiertes Gestaltungskonzept. Was der Kunde am Schluss der Planungsphase erlebt, ist eigentlich nur die Spitze des Eisberges oder besser gesagt: Das krönende Finale!

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Weltverbesserung oder Kunst am Baum?

26. September 2014

Diesen Sommer war Wassermangel in den Gärten zwar nicht das Gesprächsthema Nummer eins. Durchaus möglich aber, dass sich nächstes Jahr die Sonne wieder öfter zeigt und das Spritzkannenschleppen wieder so richtig angesagt ist. Wie wissen wir eigentlich so genau, wieviel Wasser unsere Pflanzen wirklich brauchen? Selbst mit einer automatischen Bewässerung – welche sich in der Regel sehr gut bewährt – sind die verteilten Wassergaben bis zu einem gewissen Grad willkürlich eingestellt. Das Wann und Wieviel steuert sich primär über Erfahrungswerte.

Unlängst habe ich von einem innovativen Physiker und Tüftler aus Russikon gelesen (www.plantcare.ch), der dem Verschleiss des kostbaren Guts Einhalt gebieten will. Er hat für die Anwendung im Agrar- und Gartenbaubereich eine clevere Bewässerungssteuerung entwickelt, welche mit Sensoren die Bodenfeuchte misst und erst ab einem bestimmten Trockenheitslevel das Wasser automatisch einschaltet. Mit erstaunlichen Resultaten: Versuche in Auberginenkulturen haben gezeigt, dass die Pflanzen mit der bedarfsgerechten Wasserversorgung nicht nur deutlich gesünder sind, sondern auch einen erhöhten Ertrag liefern. Der Ansatz, mit einer so bestechend logischen und in ihren Grundzügen relativ einfach wirkenden Idee eine beträchtliche Menge an Wasser sparen zu können, birgt für mich weltverbesserndes Potenzial. Mit vergleichsweise kleinem Aufwand liessen sich damit in Gegenden mit Wasserknappheit sehr viele Probleme entschärfen.

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Zeitsparend giessen: Dosierte Wasserzufuhr aus der Tüte für neugepflanzte Bäume in Domat/Ems.

Zwar nicht gerade weltverbessernd, aber dafür sehr arbeitserleichternd sind auch die Bewässerungssäcke, die wir diese Woche bei schönem Herbstwetter erstmals ausprobieren. Sie lassen sich an den Stämmen neugepflanzter Bäume befestigen und mit über 70 Liter Wasser befüllen. Diese geben sie anschliessend über viele Stunden verteilt kontinuierlich ans Erdreich ab. Die wassergefüllte Nylontüte minimiert unseren Giessaufwand in den ersten Wochen nach der Pflanzung merklich und sieht erst noch aus wie Kunst am Baum.

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Mondgärtnern: Humbug oder Nonplusultra?

19. September 2014

Säen Sie Rüebli, Mangold und Cicorino rosso nach Lust und Laune, oder lassen sie sich den Arbeitsablauf in den Gemüsebeeten stattdessen vom Mond diktieren? Dieser soll ja, glaubt man den zahlreich publizierten Mondkalendern, mit seinen Kräften einen positiven Einfluss auf das Pflanzenwachstum haben. Je nach Mondstand ergeben sich bestimmte Zeitfenster, in denen es besonders förderlich sein soll, gewisse Pflanzengruppen zu säen oder zu ernten.

Während die einen darauf schwören, bezeichnen die anderen das Gärtnern nach dem Mond als Humbug, da wissenschaftlich nicht belegt. Meine Frau Maja und ich sind zwar keine angefressenen Mondgärtner, konnten aber in unseren Gemüsebeeten beobachten, dass es zumindest nicht falsch ist, beim Aussäen auf den Mond zu achten. Dies gilt insbesondere für eher heikle Keimer wie die Bohnen.

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Der Mondkalender verrät, wann die beste Zeit für die Aussaat der verschiedenen Gemüsearten ist.

Wir hatten auch schon Kundschaft, deren Hecke wir ausschliesslich bei Vollmond schneiden durften. Soweit, so gut, doch wir Landschaftsgärtner hätten echte organisatorische Engpässe, wenn uns die Kunden nur noch beim richtigen Mondstand in den Garten bestellen würden…

Was mich stutzig macht, ist der Fakt, dass die verschiedenen erhältlichen Mondakalender teils in ihren Aussagen merklich voneinander abweichen. Dies stellt für mich die Glaubwürdigkeit in Frage. Für welche Publikation wir uns auch immer entscheiden: Wir sollten uns durch den Mondkalender keinesfalls unsere gärtnerischen Freiheiten nehmen lassen. Wenn aber alles passt, wir also genügend Zeit haben, die Sonne scheint und der Mondstand erst noch ideal sein soll für die Ernte von Wurzelgemüse – Nichts wie raus ins Kartoffelbeet, immer nach dem Motto «nützt`s nüt, so schadt`s nüt».

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«To plant a garden is to believe in tomorrow»

12. September 2014

Die Saison der Blumenzwiebeln ist in vollem Gange. Wer sich im Frühling an Tulpen, Narzissen und Blausternen erfreuen will, muss sie noch diesen Herbst in den Boden beziehungsweise in den Topf bringen. Für mich ist das Setzen von Blumenzwiebeln immer mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden. Es hat etwas Geheimnisvolles an sich, die bräunlichen Zwiebeln im Herbst sorgfältig in die Erde zu drücken, ohne in diesem Moment mit Sicherheit zu wissen, ob die Blütenkomposition, die man sich im Kopf vorstellt, sich im kommenden Frühling auch wirklich genauso entfalten wird. Dass einen die Natur so lange auf die Folter spannt, hat aber durchaus auch positive Seiten. Der Garten ist einer der letzten Orte, der uns Geduld und Langsamkeit lehrt. Die Prozesse der Natur lassen sich nicht verschnellern. Sie nehmen ungeachtet unserer Hektik, die wir zuweilen an den Tag legen, ihren Lauf und bilden einen wunderbaren Gegenpol zu unserem Alltag, in dem alles immer rasch gehen muss. Internetsuchmaschinen beantworten jede aufkommende Frage in Sekundenschnelle, und verspüren wir das Bedürfnis, nach dem verregneten Sommer im Süden etwas Sonne zu tanken, sind die Ferien mit wenigen Klicks auch schon gebucht.

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Der englische Landschaftsarchitekt Tom Stuart-Smith pflegt einen virtuosen Umgang mit Zwiebelblühern. Im Bild der Garten Broughton Grange. (Bildnachweis:  www.tomstuartsmith.co.uk)

Die Pflanzung von Tulpenzwiebeln hingegen ist eine Investition, die erst Monate später ihre Blüten treibt. Zuweilen geraten die unter dem Schnee unsichtbar ruhenden Blumenzwiebeln sogar zunehmend in Vergessenheit, um einen im Frühling wie eine Art blühender Paukenschlag zu überraschen. Erst jetzt weiss man, dass sich die herbstliche Arbeit und das geduldige Warten ausbezahlt haben.

Getreu Audrey Hepburns Zitat «to plant a garden is to believe in tomorrow» (einen Garten zu bepflanzen heisst, an Morgen zu glauben) liegt es nun in Ihrer Hand, wie bunt der Garten-Frühling 2015 sein wird!

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Wie hoch ist der touristische Wert einer Blumenrabatte?

5. September 2014

Bei meinen Besuchen im Elsass fällt mir immer auf, wie bunt die Städtchen daherkommen. Kreativ gestaltete Wechselflorrabatten, im Jahreslauf mehrmals neu bepflanzt, sind dort fester Bestandteil des Ortsbildes. Sie heissen die Touristen willkommen und verschönern den Einheimischen den Alltag. Zugleich schaffen sie Identität und sind eine Art Stadtmarketing «durch die Blume». Bewege ich mich hingegen durch Chur, erscheint mir das Stadtbild ziemlich farblos. Es scheint fast, als wolle es dem Kantonsnamen «Grau»bünden seine Ehre erweisen…

Klar sind Wechselflorrabatten, die mehrmals jährlich eine komplette Neugestaltung erfordern, für eine Stadt ein grosser Kostenpunkt. Entscheidet man sich stattdessen jedoch für Rabatten mit mehrjährigen Blütenstauden, lässt sich einiges an Ausgaben einsparen, ohne auf Blühendes verzichten zu müssen.

Tatsächlich hatte Chur vor rund zehn Jahren, als die Staudenmischpflanzungen aufkamen, den Trend als eine der ersten Städte aufgenommen und auf verschiedenen Flächen im Strassenraum auf die Mischpflanzung mit dem vielversprechenden Namen «Silbersommer» gesetzt. Das Pflanzenkonzept mit Blütenstauden, Zwiebelpflanzen und Gräsern war damals von der ZHAW, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil neu lanciert worden. Die blühenden Flächen erfreuten mich und werteten das Stadtbild merklich auf.

Rabatte Chur

Rabatte Wittenbach

Verwilderte Rabatte in Chur (oben) und ein blühendes Beispiel aus Wittenbach (unten).

Heute präsentieren sich die Flächen leider nicht mehr von ihrer besten Seite. Mangels Pflege sind sie stark verunkrautet, das ursprüngliche Konzept ist nicht mehr ablesbar. Einzelne Pflanzen sind so dominant geworden, dass sie andere komplett verdrängt haben. Die Entwicklung zeigt, dass es unerlässlich ist, bei der Bepflanzung einer Fläche auch ein Budget für den Unterhalt einzuplanen. Ebenso braucht es fachlich versiertes Personal, welches über die nötige Pflanzenkenntnis verfügt, um die Rabatten lenkend zu pflegen. Gemeinden wie Meilen oder Wittenbach gehen diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Dank kontinuierlicher Pflege können sie sich mit blühenden Beeten profilieren und dem Ort ein eigenständiges Gesicht verleihen.

Chur hat dieses Jahr mit der temporären Bepflanzung des Theaterplatzes erneut einen lobenswerten Schritt zur Stadtverschönerung unternommen. Das innovative Grün ist allerdings nur dank Sponsorengeldern aus der Privatwirtschaft zu Stande gekommen. Dies kann meiner Meinung nach mittel- und langfristig nicht das Ziel sein, ist doch eine blühende Stadt primär Sache der öffentlichen Hand. Dazu zählt auch das Sicherstellen des Unterhalts über die Jahre, denn Rabatten- ist zugleich auch Imagepflege, erst recht wenn ein Ort – wie Chur – eine touristische Bedeutung hat.

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Wirtschaft setzt wieder auf Blumen

2. September 2014

Ich erinnere mich, bereits Anfang Jahr an dieser Stelle über die steigende Anzahl karger, seelenloser Steinwüsten in den Gärten berichtet zu haben. Letzte Woche erreichte mich aus dem hohen Norden diesbezüglich eine Nachricht, die mich positiv stimmt. Die Hoffnung auf mehr Grün und Buntheit statt Stein und Kargheit scheint intakt zu sein. Ein Berufskollege aus Hamburg, der ein Landschaftsarchitekturbüro führt, welches sich auf die Pflanzenverwendung spezialisiert hat, erzählte mir von seinen aktuellen Projekten. Er habe zahlreiche Anfragen, bestehende und mittlerweile von Unkraut unschön überwucherte Steingärten auf Firmenarealen in blühende Staudenflächen zu transformieren. Auf Nachfrage erfahre ich, dass in seinem Umkreis viele Liegenschaften aktuell nur schwer vermietbar seien und dass man sich erhoffe, durch eine wirkungsvolle Aussenraumgestaltung die Attraktivität zu erhöhen.

Ich bin überzeugt davon, dass eine schöne Bepflanzung für eine Liegenschaft tatsächlich einen Mehrwert darstellt. Würde man die vorbeigehenden Leute befragen, die meisten würden wohl an einer Bepflanzung mit Blütenstauden, die im Laufe des Jahres tagtäglich ein verändertes Bild bietet, mehr Gefallen finden als an einer steinigen Geröllhalde. Oftmals ist es die Angst vor dem Pflegeaufwand, die zum Griff nach den Steinen führt. Ein Steingarten ohne Unterhalt ist jedoch nicht mehr als ein Wunschtraum, der spätestens mit dem Aufkommen der ersten Unkräuter zerplatzt.

Bei einer Rabatte mit mehrjährigen Blütenstauden lässt sich mit geschickter Pflanzenauswahl und -kombination die Pflege in einem minimalen Rahmen halten. Beginnt man erst einmal, sich mit den einzelnen Pflanzen und ihrer Entwicklung bewusst auseinanderzusetzen, macht selbst das Jäten plötzlich Spass!

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Diese vielfältige Staudenfläche ist doch viel schöner anzusehen als ein karger Steingarten? Fotografiert habe ich sie vor einem öffentlichen Gebäude mitten in der Stadt Zürich.

Vielleicht schwappt der Trend zur Rückverwandlung der Steingärten in vielfältige Staudenflächen ja bald von Norddeutschland in die Schweiz über? Wir bleiben auf jeden Fall dran, denn steter Tropfen höhlt ja bekanntlich den Stein…

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Schneckensommer

21. August 2014

So hatten wir uns den Sommer nicht vorgestellt. Regen und frische Temperaturen haben so manche Gartenparty im Keim erstickt. Einzig den Schnecken scheint der Wetterverlauf der vergangenen Wochen zu 100% gepasst zu haben. So vielzählig wie heuer waren sie nach meinem Empfinden noch nie in den Gärten unterwegs. Der Dauerregen hat die Populationen förmlich explodieren lassen. Die Fresslust der Schneckenschar ist fast schon beängstigend. Längst wagt sie sich auch an Pflanzenarten, die sie normalerweise links liegen lässt.

Beim letzten Regen habe ich mich gefragt, weshalb Schnecken die Eigenart haben, sich zu Dutzenden auf den Gartenwegen zu tummeln, sobald es feucht ist? Auf dem Eingangsweg zu meinem Büro geben sich jeweils die unterschiedlichsten Arten mit und ohne Haus ihr Stelldichein. Vielleicht dient der Aufenthalt auf den Wegen dazu, vor lauter Grün die saftigsten Pflanzen rechts und links des Pfads nicht aus den Augen zu verlieren? Wie auch immer, der Name «Wegschnecke», den die am häufigsten gesichtete braune Art trägt, könnte treffender nicht sein…

Ich überlege kurz, ob ich die Schneckeninvasion durch eine Gegenoffensive mit biologischen Schneckenkörnern in die Schranken weisen soll, beschliesse aber, den Lauf der Natur zu akzeptieren und den Gartenfrieden hochzuhalten, indem ich den Schnecken für den Rest der Saison freien Lauf lasse. «Bestimmt pendelt sich das Gleichgewicht nächstes Jahr wieder ein», denke ich versöhnlich und hoffe auf einen kalten Winter, gefolgt von einem heissen Sommer.

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Impression aus dem Schneckensommer 2014.

Das Schneckenwetter der vergangenen Wochen hat übrigens auch durchaus seine positiven Aspekte. Sieht es normalerweise in den inneralpinen Trockentälern Graubündens zu dieser Zeit sehr dürr und trocken aus, erscheint die Natur momentan in üppigstem Grün. Neu gepflanzte Bäume bedanken sich mit kräftigem Wuchs, und plötzlich scheint der Sommer die ideale Zeit für die Rasen-Ansaat zu sein…

Fehlt nur noch, dass wir im tiefen Winter Bepflanzungen vornehmen können!

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Gartenduell England – Schweiz. Wir holen auf!

14. August 2014

Gärten und England gehören untrennbar zusammen. Über die Jahrhunderte ist auf der Insel eine eigenständige Gartenkultur gewachsen, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf ganz Europa hat. Es scheint mir, jeder Engländer, jede Engländerin identifiziere sich mit dem Thema Garten und habe ein Faible für Pflanzen. Die Vorstellung mag so klischiert sein wie jene, dass jeder Schweizer fähig ist, zu jodeln… und doch ist was dran! Kürzlich führte ich ein Kundengespräch mit einer in der Schweiz ansässigen Engländerin, die mir mitteilte, sie sei ja so froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihre Gartenbedürfnisse verstehe und sie mit der nötigen Sensibilität umsetzen könne.

Ich freute mich erst einmal über die Lorbeeren und begann dann, darüber zu sinnieren, was denn die Engländer in ihrem Verhältnis zum Garten von den Schweizern unterscheidet. Ist es das Feingespür, das vertiefte Interesse an den individuellen Pflanzen, das vielen abgeht? Schon oft habe ich festgestellt, dass die englischen Gartenfreunde an einem einzelnen Pflänzchen oder sogar an einer einzigen Blüte eine Riesenfreude haben können, während wir tendenziell eher die grösseren Massstäbe wahrnehmen. Etwas überspitzt formuliert: Gedeiht bei einem Engländer eine Pflanze nicht, sucht er sich innerhalb seines Gartens einen neuen Standort mit veränderten Bedingungen und gibt dem Gewächs eine neue Chance. Der Schweizer hingegen probiert`s nochmals und nochmals an derselben Stelle und gibt irgendwann entnervt auf…

Es besteht allerdings Hoffnung im Binnenland. Mir scheint, in den letzten Jahren haben wir, was die Gartenkultur betrifft, in grossen Schritten aufgeholt und hinken dem englischen Vorbild nicht mehr so weit hinterher wie auch schon. Das Natürliche, bunt Assortierte, wie es für einen englischen Cottage-Garten so typisch ist, liegt auch bei uns voll im Trend. Das steigende Interesse an speziellen Pflanzenraritäten zeigte sich nicht zuletzt auch am Gartenfestival Schloss Haldenstein ganz deutlich. Auch an inspirierenden Zeitschriften, die das romantische Landleben loben, fehlt es nicht.

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Staudenmischpflanzung mit englischem Touch, fotografiert in der Schweiz.

Aussenansichten auf die Schweizer Gartenwelt, wie sie mir die englische Kundin gewährte, empfinde ich immer als sehr erfrischend. Etwas Selbstreflexion schadet schliesslich nie und bringt einen im besten Fall vorwärts.

Sorgen wir doch dafür, dass sich die Engländer, welche die Schweiz bereisen oder hier leben, bei uns gartenkulturell zu Hause fühlen.

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Zur Nachahmung empfohlen

8. August 2014

Mein Garteninstinkt lässt mich auch in den Ferien nicht im Stich. Wer Gärten und ihre  Gestaltung zur Berufung hat, geht immer mit offenen Augen durch den Tag, entdeckt hier eine harmonisch gestaltete Ecke und dort eine nie gesehene Pflanze. Während unseres Aufenthalts im Unterengadin wird mir wieder einmal so richtig bewusst, welch unendliches Reservoir an Inspirationen die Natur zu bieten hat. In der Umgebung von Bos-Cha zeigen sich gerade die Hochstaudenfluren – gespickt mit weissen Doldenblüten und leuchtendblauem Storchenschnabel – in üppiger Bestform. Auf einem schmalen Wiesenweg lassen sie sich durchwandern. Ein wunderbares Bild, das ich in meinen Gedanken abspeichere. Wer weiss, vielleicht ergibt sich ja irgendwann die Gelegenheit, die zauberhafte Stimmung in eine Gartengestaltung zu transferieren.

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Ein Weg, wie er auch in einen Garten passen würde.

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Gelber und Blauer Eisenhut: Eine Farbkombination lädt zur Nachahmung ein. 

Unvermittelt stehen wir vor einem Blütenmeer aus gelbem und blauem Eisenhut und folgen dem Weg bis zur nächsten Lichtung. Wir entdecken eine Gruppe Felsbrocken, die perfekt in die Umgebung integriert ist. Die naturgemachte Kreation lässt jeden Gartengestalter vor Neid erblassen und empfiehlt sich zur Nachahmung.

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Die Natur als Vorbild: Harmonisch angeordnete Felsbrocken.

Hinzu kommen die teils sehr unkonventionellen Farbkombinationen der Natur, die für die Planung einer Gartenrabatte frische Ideen liefern können. Während der Sommermonate lösen sich immer neue Pflanzenarten mit ihrer Blüte ab und garantieren langanhaltende Farbakzente: Ganz so, wie wir es uns auch  für unsere Gärten wünschen. Auch wenn es oft in Bezug auf den Standort oder die Höhe über Meer kaum möglich ist, das Gesehene eins zu eins umzusetzen, so lässt sich doch der Charakter einfangen und im eigenen Garten mit vergleichbaren Gewächsen nachahmen.

Fehlt nur noch, dass wir nebst den Gestaltungsideen auch den frischwürzigen Duft der Lärchenwälder mit nach Hause nehmen können…

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