Wasser in allen Spielarten

31. Juli 2014

Rund zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt und sämtliches Leben hängt davon ab. Kaum verwunderlich also, dass sich die Bedeutung des Elements Wasser auch in der Gartenkultur seit jeher wiederspiegelt. Je nach Epoche und Region kommt es in ganz unterschiedlichen Spielarten zum Ausdruck. Es manifestiert sich als Bächlein, Brunnen, Becken oder Wassertisch, als sprudelnde Fontäne oder als ruhende Teichfläche.

Während des Landschaftsarchitekturstudiums hatte ich die Gelegenheit, mich für längere Zeit im Iran aufzuhalten. Dort hat Wasser, insbesondere darum, weil es vielerorts so rar ist, eine hohe Symbolkraft. In den Gärten spielt es meist eine zentrale Rolle. Unvergesslich bleibt mir «Bagh-e Fin», ein persischen Garten in der Nähe von Kaschan. Wasserläufe weisen dort in alle Himmelsrichtungen, sammeln sich in grossen Becken und sprudeln aus einer Vielzahl Fontänen.

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Wasser im persischen Garten Bagh-e Fin (Bildquelle: Ensie & Matthias from San Diego, California, USA/Wikipedia)

Auch bei uns hat Wasser in den Gärten und im öffentlichen Raum seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. Traditionellerweise gibt es in Städten und Dörfern unzählige Brunnen, in denen Trinkwasser fliesst.

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Der neue Brunnen im Amedes-Park in Domat/Ems vor der Inbetriebnahme. 

Für den Amedes-Park in Domat/Ems haben wir kürzlich eine Brunnenanlage aus begehbaren Natursteinstufen entworfen, die mit sprudelnden Fontänen ausgestattet ist. Der hügelartig aufgeschichtete Brunnen spielt auf die «Tumas» an, die charakteristischen Erhebungen, welche der Flimser Bergsturz in Domat/Ems hinterlassen hat. Der stufenartige Aufbau ermöglicht spielenden Kindern den direkten Zugang zum Wasser und macht das Element erlebbar.

Die Auseinandersetzung mit Wasser in der Gartengestaltung macht mir immer wieder aufs Neue bewusst, wie wertvoll und unverzichtbar das Element ist.

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Abenteuer Garten

25. Juli 2014

Mit Freunden auf eigene Faust durch den Wald streifen, auf Bäume klettern und an einem versteckten Ort gemeinsam ein Baumhaus bauen – solche Erlebnisse waren in meiner Jugend noch gang und gäbe. Die Natur gehörte auf dem Lande sozusagen zur Kinderstube. Heute sind vergleichbare Ausflüge längst nicht mehr selbstverständlich. Sei es, weil man mitten in der Stadt aufwächst oder es den Eltern viel zu gefährlich scheint, den Nachwuchs allein im Wald zu wissen. Hier kommt der Garten ins Spiel. Mit einfachen Mitteln lassen sich hier Spielräume schaffen, in denen sich die Kinder entfalten können, ohne dass die Eltern sie ganz aus den Augen verlieren. Zunächst einmal muss man sich dazu allerdings vom Bild eines durchgestylten, ordentlich «aufgeräumten» Gartens verabschieden. Denn wo Kinder am Werk sind, wird gebuddelt und gebaut, da entsteht Dreck und zuweilen wildes Chaos. Eine grosse Portion Toleranz kann nicht schaden, denn schnell ist ein Ast abgeknickt oder eine Blume versehentlich ausgerissen.

Ein Garten lässt sich mit relativ einfachen Mitteln in ein Kinderparadies umgestalten. Viel braucht es nicht, um die Augen der Kleinen zum Leuchten zu bringen. Ein grosser Sand- oder Kieshaufen, ein Wasseranschluss mit Handpumpe, einige Holzlatten und Steine genügen bereits als Grundlage für Eigeninitiative und Kreativität.

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Ein Baumhaus macht den Garten für Kinder perfekt (Bildquelle: Rainer Sturm /pixelio.de)

Damit nicht der ganze Garten zum Hoheitsgebiet der Kinder mutiert, ist es sinnvoll, von Beginn an verschiedene, klar voneinander getrennte Zonen zu schaffen. Schliesslich sollen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern auf ihre Rechnung kommen. Sie haben es verdient, in Ruhe ihren Sitzplatz zu geniessen, während die Kinder ungestört ihren Spielen nachgehen.

Ein Garten für Kinder ist eine Art Ersatzplattform für Abenteuer im geschützten Rahmen. Klar lassen sich damit die Ausflüge in den Wald nicht eins zu eins ersetzen. Und doch bietet man seinen Kindern damit ein Stück wertvolle Freiheit, auch wenn das Grundstück von einem Zaun umgeben ist. Vorsicht: Schrammen, blutende Wunden und gebrochene Arme lassen sich auch hier nicht ganz ausschliessen…

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Gartenfeste feiern, wie sie fallen

17. Juli 2014

Nach den regnerisch-kühlen Tagen der vergangenen Woche freut man sich umso mehr über die zurückgekehrte Sonne. Was mich dazu animiert, den heutigen Blog den sommerlichen Gartenpartys zu widmen. Man soll die (Garten)Feste ja schliesslich feiern, wie sie fallen…

Es gibt kaum einen dankbareren Ort für ein Outdoorfest als den eigenen Garten. Hecken und Sträucher bilden geborgene Räume, Bäume sorgen für kühlen Schatten, blühende Rosen bringen die romantische Komponente ins Spiel. Ein schöner Garten ist schon die halbe Miete für ein gelungenes Fest. Er ist der beste Stimmungsträger, den man sich vorstellen kann. Da braucht es nicht mehr viel, um die eingeladenen Freunde in Partylaune zu versetzen. Eine lange, bunt gedeckte Tafel mit einem Blumenstrauss aus Gartenblumen und Gräsern, eine Erdbeer-Bowle, eine Platte mit bunten Antipasti-Häppchen, ein Grill, vielleicht etwas Musik – schon ist das Setting perfekt.

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Ein stimmiger Garten bietet das perfekte Setting für ein gelungenes Fest mit Freunden.

Dass es noch vollendeter geht, zeigte mir kürzlich ein Besuch in einem Garten in Zürich. Unter einer gedeckten Pergola steht dort eine moderne Aussenküche mit fix eingebauter Grillplatte und grosszügigen Arbeits- und Ablageflächen aus Chromstahl. Sogar ein Wasseranschluss und eine fix verlegte Gasleitung fehlen nicht… Mit dieser Einrichtung lässt sich das Leben im Sommer praktisch zu 100% in den Garten verlagern. Ein ganz neuartiges Lebensgefühl, das an südliche Gefilde erinnert. Wer braucht da noch weit weg in die Ferien zu reisen?

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Urtümliches Grillerlebnis im Tessin.

Weit rustikaler und urtümlicher ging es am Einweihungsfest unseres Rusticos im Tessin zu und her. Ich staunte nicht schlecht, als meine Mitarbeiter zwei mitgebrachte Lämmer auf zweckentfremdete Pflanzenstäbe aus Holz spiessten und diese über der Feuerstelle im Garten montierten. Geduldig drehten sie während Stunden abwechslungsweise an den Stäben, bis das Fleisch rundum schön knusprig war. Solche gemeinschaftlichen Momente bleiben ein Leben lang in bester Erinnerung…

Worauf wartet ihr noch? Raus in den Garten!

 

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Es muss nicht immer der letzte Schrei sein

10. Juli 2014

Für mich ist es immer schön zu sehen, wie die Kundschaft einen neu gebauten Garten, der zunächst trotz Bepflanzung eine gewisse Leere ausstrahlt, Stück für Stück in Beschlag nimmt und «beseelt». Mit ausgesuchten Gartenmöbeln und Accessoires richtet sie sich den Aussenraum nach ihrem Gusto ein. Die stimmige Platzierung von Mauern, Wegen und Plätzen mag essentiell sein, um einem Garten seine räumliche Grundstruktur zu verleihen. Doch erst die Ausstattung macht ihn komplett. Sie ist sozusagen das Tüpfelchen auf dem «i». Erst die bequeme Liege, der einladende Tisch mit Stühlen, die hinter hohen Farnwedeln versteckte Granitbank oder der heimelige Hängesitz unter dem alten Birnbaum sorgen dafür, dass der Garten auch wirklich nutz- und erlebbar ist. Immer wieder beobachte ich, dass bestimmte Ausstattungsgegenstände es sogar vermögen, neue Gartenerlebnisse und Verhaltensmuster zu generieren. So kann etwa eine Feuerschale auf dem Kiesplatz unversehens zum wichtigen Treffpunkt avancieren. Hier sitzt man an Sommerabenden zusammen, tauscht sich aus und geniesst den Blick in die romantisch flackernden Flammen. Es muss nicht immer der letzte Schrei von der Möbelmesse sein. Es soll auch nicht in jedem Garten aussehen wie in einem Designhotel in Dubai oder Miami. Als Sitzgelegenheit ums Feuer reichen einige im Halbkreis angeordnete Sandsteinquader oder ein zu rustikalen Hockern verarbeiteter Baumstamm.

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Ein Rosmarin, ein Bistrotisch, ein Stuhl: Es braucht nicht viel, um eine gute Stimmung in den Vorgarten zu zaubern (gesehen in Neunkirch SH).

Durch geschickte Material- und Farbwahl lassen sich mit der Ausstattung unterschiedliche Stimmungen in den Garten holen, sei es ein Mittelmeerambiente oder ein orientalisch inspirierter Stil. Das Schöne daran ist, dass die Möblierung in den meisten Fällen mobil ist, sich also nach einigen Jahren, sollten sich Geschmack oder Lebensumstände verändert haben, ohne grossen Aufwand ein Szenenwechsel im Garten realisieren lässt.

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Ein Schattendasein, das keines ist

3. Juli 2014

«Wo Licht ist, ist auch Schatten» – die uralte Volksweisheit hat nicht nur im übertragenen Sinn ihr Wahres, sondern gilt auch für jeden Garten. Tatsächlich ist der Schatten in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen omnipräsent, sei es unter Baumkronen und Sonnensegeln, aber auch entlang von Hausfassaden. Allgemein haftet ihm ein eher negatives Image an, ersichtlich aus Redewendungen wie «im Schatten von jemandem stehen» oder «ein Schattendasein fristen». Viel Sonne ist ja schön und gut, doch der Schatten sorgt als unzertrennlicher Partner des Lichts für sehr spannungsvolle Gartenmomente. Durch den bewussten gestalterischen Umgang mit Licht und Schatten entstehen lebendige Aussenräume mit viel Dynamik. Für einen Kundengarten haben wir kürzlich eine ornamentale Pergola-Abdeckung entworfen, die bei Sonnenlicht ein dekoratives Muster auf den darunterliegenden Plattenboden zeichnet.

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Das Spiel mit Schatten und Licht mittels einer ornamentalen Pergola-Abdeckung.

So beliebt er an heissen Tagen sein mag, so verpönt ist Schatten in den Beeten vieler Gartenfreunde. Wer jedoch glaubt, es gebe für die Bepflanzung schattiger Beete kaum Möglichkeiten, der irrt gewaltig. Je intensiver man sich mit der Thematik befasst, desto mehr wunderbare Schattengewächse entdeckt man. Oftmals punkten sie nicht in erster Linie mit auffälligen Blüten, sondern vielmehr mit ihrem Blattschmuck, wie etwa die Rodgersie, auch Schaublatt genannt, oder die verschiedenen Farne. Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete in Rifferswil ZH eine neue Gärtnerei ihre Tore, die sich den Pflanzen für schattige Standorte verschrieben hat (www.gaertnerei-blattgruen.ch). Direkt ans Seleger Moor angrenzend, ist sie ein mystischer Ort und ein Geheimtipp für alle Pflanzenfans.

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Sie fristen alles andere als ein Schattendasein: Pflanzen, die auch mit wenig Licht auskommen.

Die renommierte Gärtnereibesitzerin und Buchautorin Beth Chatto hat dem Anlegen schattiger Beete gar ein ganzes Buch gewidmet. Einen Besuch in ihrer Gärtnerei in England kann ich allen Gartenfreunden wärmstens empfehlen. Chatto ist vor allem wegen ihres Kiesgartens berühmt, hat aber auch einen wunderschönen Schattengarten mit Gehölzunterpflanzungen gestaltet (www.bethchatto.co.uk). Auch wir sind laufend am Austesten, welche Pflanzen sich am Schatten besonders gut bewähren. Im Garten unseres Büros gibt es einen beschatteten Bereich, den wir dazu als Experimentierfeld nutzen. Es ist nicht nur der Schatten an sich, welcher eine Herausforderung darstellt, sondern zugleich die Trockenheit, welche unter Bäumen typischerweise vorherrscht.

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Auch Schattengärten haben ihren Reiz.

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Die Königsdisziplin der Gartenbauer

27. Juni 2014

Graubünden ist bekannt für seine Trockenmauern. Ganz ohne Mörtel und in Handarbeit aufgebaut, terrassieren sie Weide-, Reb- oder Ackerland und verleihen ganzen Regionen ihr urtypisches Aussehen. Während das alte Kulturgut mangels fachgerechtem Unterhalt vielerorts zerfällt und aus dem Landschaftsbild verschwindet, gibt es auch viele Bestrebungen zu seiner Erhaltung. So kartiert man wertvolle Terrassenlandschaften und setzt sie wo immer möglich unter Schutz. Dies ist unter anderem dem Einsatz der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (http://www.sl-fp.ch) zu verdanken. Gerade kürzlich habe ich im Unterengadin mit Freude Spezialisten bei der Sanierung alter Natursteinmauern beobachtet.

Natursteinmauern haben auch in den Gärten traditionellerweise einen hohen Stellenwert. Sie terrassieren Böschungen, strukturieren Gartenräume und sind optisch sowie auch ökologisch wertvolle Elemente. Wenn ich von Natursteinmauern spreche, meine ich übrigens nicht die (zu) oft gesehenen, optisch wenig ansprechenden Stützmauern aus grossformatigen Steinblöcken. Stattdessen beziehe ich mich auf ein kleinteiliges Mauerwerk aus unterschiedlich grossen Steinen, die sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. Ein solches Bauwerk erfordert viel handwerkliches Geschick und ein Gespür für die unterschiedlichen Gesteinsarten aus der Region. Der Bau von Trockenmauern ist die Königsdisziplin der Gartenbauer. Mit ihrer Arbeit tragen sie dazu bei, das Handwerk über Generationen weiterzugeben. Denn das Wissen um den Trockenmauerbau lässt sich nur durch regelmässige Anwendung bewahren. Der Natursteinmauerbau gehört bei jedem Landschaftsgärtner zur Grundausbildung. Danach heisst es «Übung macht den Meister». Ich motiviere die Lernenden in unserem Betrieb jeweils dazu, bei den älteren Generationen abzuschauen und von ihnen zu lernen.

Das Fundament für die nächste Natursteinmauer in Falera ist bereits eingebaut. Ein Schnurgerüst gibt die genaue Position der Mauer vor. In den nächsten Tagen entsteht ein lebendiges Bauwerk mit individuellem Fugenbild, welches das Gartenbild dauerhaft bereichern wird.

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Schweizer Sandsteinmauer fürs Gartenfestival Schloss Haldenstein, in Handarbeit präzise geschichtet.

 

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Die gestohlene Gartenschere

Sie lag inmitten antiker Möbel, gerahmter Bildern und bemalter Porzellanteller am «Gänggelimarkt» in Chur: Eine uralte Gartenschere aus einer Zeit, als man die Hecken noch von Hand schnitt. Ihr Zustand lässt daraus schliessen, dass sie viel erlebt haben muss. Bestimmt hat sie in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrem Besitzer hunderte von Pflanzen im Zaum gehalten und dafür gesorgt, dass in den Gärten Ordnung herrscht. Meine Cousine Luzia erkannte sie dank dem eingebrannten Firmensignet am hölzernen Griff sofort. Das ist Grossvaters Gartenschere!

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Grossvaters Gartenschere, feilgeboten auf dem «Gänggelimarkt».

Die Schere von Max Zuber, der 1940 mit der Gründung seiner kleinen Firma den Grundstein für den Familienbetrieb gelegt hatte, den ich heute führe. Grossvater begann damals mit einem Produktionsbetrieb für Gemüse und Zierpflanzen. Nach den Kriegsjahren entstanden um die Häuser immer mehr Gärten, und Max Zuber erweiterte als erster im Kanton sein Angebot um die Gartengestaltung. Er plante Gärten, legte sie neu an und pflegte sie, genau wie wir es heute noch tun, einfach in verändertem Umfeld und mit modernerem Gartengerät.

Wie seine geliebte Schere auf den Churer «Gänggelimarkt» gelangte, bleibt ein Geheimnis. Blieb sie eines Tages versehentlich in einem Garten liegen? Oder wurde sie meinem Grossvater gar geklaut? Leider bin ich der Sache bis heute nie nachgegangen. Eigentlich hätte ich beim Antiquitätenhändler vorbeigehen und die Schere kaufen sollen. Sie kostete gemäss Luzia gerade Mal 30 Franken, was ja nicht viel ist für ein Stück familieneigene Gartenkultur! Versprochen: Ich werde es nachholen und mich auf die Suche nach der verlorenen Schere machen – Fortsetzung folgt…

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Gartenhöhepunkt in Graubünden

12. Juni 2014

Die vergangenen Tage waren wir bei schönstem Wetter mit den Vorbereitungen für unseren Schaugarten am Gartenfestival Schloss Haldenstein beschäftigt. Nun sind alle Pflanzen gesetzt und angegossen, der letzte Sandstein ist platziert – das Festival kann beginnen! Inspiration für unsere Gestaltung bot uns die reiche Tradition englischer Gärten. Vor geschwungenen, mit traditionellen Gemüsesorten bepflanzten Hochbeeten aus Naturstein stehen ein Gewächshaus aus Zedernholz «made in England» sowie ein modernes Wasserspiel. Buchs- und Eibenpflanzen sorgen für den grünen Rahmen, während Blütenpflanzen wie die selten gesehene Orlaya dem temporären Garten Natürlichkeit und Buntheit verleihen.

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Während der vergangenen Tage nahm der Schaugarten fürs Gartenfestival Gestalt an.

Das Gartenfestival Schloss Haldenstein findet vom 13. bis 15. Juni 2014 bereits in seiner vierten Ausgabe statt. Es hat sich im Kreise der europäischen Gartenfestivals gut etabliert und sich bereits weitherum einen Namen geschaffen. Es reiht sich ein in die Tradition europäischer Gartenfestivals wie Ippenburg oder Powderham Castle, die ebenfalls vor der Kulisse historischer Schlösser stattfinden. Meine Frau Maja und ich träumten seit längerer Zeit davon, die Idee des Gartenfestivals in die Schweiz, und zwar ins romantische Setting von Schloss Haldenstein, zu importieren. Gemeinsam mit der Rosengesellschaft Graubünden entwickelten wir ein Konzept und luden 2009 zum ersten Gartenfestival der Schweiz. Graubünden kann stolz sein auf diesen überregionalen Gartenhöhepunkt, der einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Gartenkultur leistet. Mittlerweile organisiert der «Förderverein Schlossgarten Haldenstein» das Festival, welches im Zweijahresrhythmus stattfindet. Die präsentierten Ideen zeigen, dass Gärten viel mehr sind als die oft gesehenen kargen «Steinwüsten». Mit unserem Schaugarten wollen wir die Freude wecken, selber zu Gärtnern und die einzelnen Pflanzen in den Vordergrund zu stellen. Jeder Garten soll ein Unikat sein – eine persönliche Aussenwelt.

Ich freue mich, wenn wir uns anlässlich des Gartenfestivals persönlich zum Thema Gartenkultur austauschen können.

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Gartengespräche am Gartenfestival Schloss Haldenstein.

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Zwei italienische Garten-Ideologien

6. Juni 2014

Auf unserer Gartentour in der Region Tuscia besuchten wir in der Nähe von Orvieto ein Landgut namens «La Toricella». Das Anwesen ist im Besitz einer gutbetuchten Toskanerin, welche einen Mann aus einer verarmten Adelsfamilie geheiratet hat. Wir wurden grosszügig empfangen und vom Gärtner, genannt «Il Generale», durch den Garten geführt. Der Veteranengeneral erläuterte uns den wohlgepflegten Landhausgarten, seine Enkelin übersetzte simultan ins Englische. Sie hatte sich gut vorbereitet und alle Pflanzennamen in ihr Notizbuch geschrieben – nichts durfte beim Empfang der Deutschen Gartenkulturgesellschaft schiefgehen. Höhepunkt war der vollkommen weiss blühende Rosengarten. Unter den über zwei Meter hohen Rosen wachsen Buchskugeln, die der Szenerie einen speziellen, würdigen Rahmen verleihen. Der Gartenrundgang endete mit einem etruskischen Mittagessen auf der edel ausgestatteten Gartenterrasse.

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Edler Landhausgarten: Weisse Rosen, von Buchskugeln kontrastiert.

Im Reisecar erholt und ausgeschlafen erreichten wir anschliessend die Casa Caponetti  in Tuscania. Hier empfing uns am Eingangsportal eine Gruppe jüngerer Leute. Gemeinsam machten wir uns gespannt auf den Gartenspaziergang, welcher zu unserem Erstaunen durch ein intaktes, landwirtschaftlich genutztes Arkadien führte. Der Besitzer der 50 Hektaren grossen Farm hat sich an verschiedenen internationalen Universitäten ausgebildet (Architektur, Forstwirtschaft, Landwirtschaft), aber kein Studium abgeschlossen, sondern entschieden, sich seinen Traum auf diesem Landgut zu verwirklichen. Entstanden oder besser gesagt am Entstehen ist ein biologisch geführter Landwirtschaftsbetrieb, der nebst den üblichen Produkten auch verschiedene Gemüsearten anbaut (darunter auch 28 verschiedene Tomatensorten und 5 Zucchinisorten) und diese lokal verkauft. Zum Angebot gehören ein Bed and Breakfast, der Ausgrabungsdienst von archäologischen Stätten und die Organisation von Theaterdarbietungen im eigenen (stillgelegten) Steinbruch. Wiederum verköstigten wir uns im Garten. Wie konnte es anders sein: Zur Auswahl standen eigene Bioprodukte wie Gartenkräuter-Omeletten, Focaccia, hausgemachte Pasta und vorzüglicher Wein. Das Allerbeste aber war die Kulisse: Auf Strohballen sassen wir inmitten einer kurz geschnittenen Wiese, mit Blick in die wunderbare Kulturlandschaft.

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Italienisches Arkadien: Die landwirtschaftlich genutzten Flächen der Casa Caponetti in Tuscania.

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Auf Gartenreise

2. Juni 2014

Letzte Woche waren meine Frau Maja und ich auf Gartenreise – «on Gardentour» – wie die Engländer zu sagen pflegen. Obwohl ich überhaupt nicht der Typ Gruppenreisen bin, ist es doch jedes Mal sehr amüsant und bereichernd, mit Gartenfreunden unterwegs zu sein. Vor allem gefällt mir die unendliche Begeisterung der Teilnehmer für Pflanzen und Gärten. Es wird jede erdenkliche Qual auf sich genommen, um eine besondere Pflanzenart zu sehen oder ein Foto eines stimmigen Gartens zu erhaschen – sei es bei strömendem Regen oder unter glühender Sonne. Das Schöne an geführten Gartenreisen ist, dass man mit etwas Glück besondere Orte besuchen kann, welche einem als Einzelperson verschlossen bleiben; ein Privileg der Gruppe.

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Angeregte Diskussionen am Wassertisch der Villa Lante in Bagnaia.

Wir hatten Glück und konnten in der Region Tuscia in der Südtoskana eine Reihe privater Gärten besichtigen. Der Besuch der Anlagen war ebenso bereichernd wie der persönliche Kontakt zu den Besitzern. Es sind nicht auf das letzte Detail gepflegte Blütenstaudenrabatten, welche uns versteckt hinter den hohen Mauern und schweren Toren erwarten. Vielmehr sind es Gärten, welche über Jahrhunderte gewachsen sind und von Generation zu Generation liebevoll weitergegeben werden. Viele Gartenbesitzer haben zu ihren Gärten eine Art Seelenverwandtschaft aufgebaut und sind untrennbar miteinander verbunden.

Es ist ohne Zweifel eine der schönsten Gartentraditionen, sich gegenseitig zu Gartenbesichtigungen einzuladen. Nur so können Erfahrungen ausgetauscht, neue Pflanzenschätze gefunden und weiter kultiviert werden. Spätestens nach der ersten Gartenreise weiss jeder gewiefte (Hobby-)Gärtner, dass er immer ein Sackmesser und eine Tüte mittragen muss. Damit lassen sich Stecklinge oder Ausläufer einer noch unbekannten Pflanzenart jederzeit vor Ort gewinnen und mit in den eigenen Garten tragen.  Diese fundamentalen Erfahrungen lassen sich glücklicherweise auch im digitalen Zeitalter noch nicht durch Maschinen ersetzen!

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Lebendige Gartenkultur – Die Gärten der italienischen Villa Lante.

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Den pflegelosen Garten gibt es nicht

25. Mai 2014

Verwilderte Gärten können durchaus charmant sein. Selbst eine gewisse Romantik ist ihnen in manchen Fällen nicht abzusprechen. Zugegeben. Blühen aber im Blumenbeet nur noch die Disteln, und die Rasengräser haben sich zugunsten von Klee und Moos verabschiedet, kippt die Romantik schnell einmal in die Verwahrlosung. Gehe ich an solchen Gärten vorbei und sehe das Potenzial, das hier schlummert, finde ich das immer sehr schade. Nicht, dass ich für gepützelte, sterile und ausgeräumte Gärten plädiere, ganz im Gegenteil. Mir gefällt die gepflegte Vielfalt, in der sich die einzelnen Pflanzen entfalten und entwickeln können. Ein Garten lebt und darf durchaus auch wilde Elemente beinhalten. Er braucht aber die Leitplanken der Pflege, um sich stimmig weiterzuentwickeln und letztlich seinen Wert zu erhalten. Zu meinem Bedauern ist die Gartenpflege eine Disziplin, welche die Liegenschaftenbesitzer all zu oft vernachlässigen. Ganz nach dem Motto «es wächst auch von alleine». Im Haus hingegen wischt man emsig Staub, reinigt regelmässig die Toiletten und die Fenster. Beim Auto verhält es sich nicht anders. Der Lack ist immer glänzend poliert, der alljährliche Ölwechsel darf keinesfalls vergessen gehen. Genauso wünschte ich mir, dass auch die Pflege des Aussenraums zur Selbstverständlichkeit wird. Warum tun wir uns im Garten oft so schwer damit? Gartenarbeit ist doch eindeutig schöner als Autopolieren oder Fensterputzen?!

Eine Kollegin wies mich letzthin daraufhin, dass man einen Garten pflegen müsse wie eine Ehe auch, sonst werde nichts daraus… Wie wahr, denn schliesslich braucht alles, was Bestand haben soll, eine gewisse Pflege. Der Bau eines neuen Gartens ist lediglich die erste Phase eines Projekts, das über die Jahre mit dem regelmässigen Unterhalt weitergeht. Denn ohne pflegende Eingriffe kann ein Garten sehr schnell sein Gesicht verlieren…

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Wer keine Zeit findet, Beete zu jäten, den Rasen zu mähen oder Bäume und Hecken selber zu schneiden, kann die Arbeiten – sofern von einer Fachperson ausgeführt – sogar von den Steuern abziehen.

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vorher nachher

15. Mai 2014

Insbesondere bei der Umgestaltung bestehender Gärten fasziniert mich immer wieder die enorme Verwandlungsfähigkeit einer Fläche. Aus einem eintönigen, kaum genutzten Rasen mit ein paar verloren wirkenden Sträuchern entsteht durch eine lebendige Gliederung mit Stufen, Wegen, Plätzen, Kräuter- und Blumenbeeten ein Ort mit ganz neuer Aufenthalts- und Genussqualität.

Elemente wie eine verglaste Pergola oder ein Wasserbecken, in dem sich Binsen, Teichrosen und Pfeilkraut spiegeln, bieten veränderte Perspektiven und Blickpunkte. Geschnittene Hecken schaffen intime Gartenzimmer, die mit mehrstämmigen Sträuchern und Blütenstauden in Rot, Lila und Weiss bepflanzt sind. Neu entstandene Räume und Ebenen machen den Aussenraum komplett neu erlebbar. Was für eine Veränderung innert kurzer Zeit!

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vorher nachher: Von der eintönigen Rasenfläche zur lebendigen Vielfalt.

Zuweilen vermag der Garten sogar Einfluss auf die Innenraumgestaltung des dazugehörigen Hauses zu nehmen. Nach der Umgestaltung beschloss die Bauherrschaft, die burgunderrote Farbe der Gartenmauer, die es ihr so angetan hat, im Hausinnern partiell weiterzuziehen. Ein roter Faden sozusagen, der eine Verzahnung von Innen und Aussen bewirkt.

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Die wohltuende Wirkung der Pflanzen

9. Mai 2014

Der unverkennbare Duft einer frisch gemähten Blumenwiese, eine Nase voll von einer offenen Rosenblüte oder ein sprudelnder Bergbach: Bestimmte Duftnoten oder Geräusche lösen bei mir oftmals in Sekundenschnelle ein wunderbares Wohlgefühl aus. Die dabei geweckten Erinnerungen reichen oftmals bis in die Kindheit zurück. Dass die Natur, aber ebenso auch Gärten und ihre Pflanzen eine positive Wirkung auf uns haben, ist uns Gartenfreunden nichts Neues. Eine halbe Stunde Jäten nach Feierabend, und schon wähnt man sich in einer anderen Welt, ist locker und ruhig, hat den strengen Arbeits-Alltag hinter sich gelassen und kann sich ganz auf seine Familie einstellen.

Die wohltuende Wirkung der Pflanzen auf die Menschen wird seit einigen Jahren sogar wissenschaftlich untersucht und auch therapeutisch genutzt. In der noch jungen Disziplin der Gartentherapie sollen der Umgang mit Pflanzen sowie gezielte Gartenaktivitäten das soziale, psychische und körperliche Wohlbefinden von beeinträchtigten Menschen stärken.

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Sinnliches Blütenmeer im Seniorenzentrum Rigahaus in Chur.

In diesem Zusammenhang entstehen auch um Alterszentren und Rehakliniken vermehrt vielfältige und barrierefreie Gärten, die alle Sinne ansprechen, sei es durch verschiedene Belagsstrukturen, mittels Duftpflanzen oder Stauden mit speziellen Fruchtständen. Allein in den vergangenen zwei Jahren waren wir bei der Gestaltung und Umsetzung von fünf Altersheimgärten in der Region beteiligt. Bei meinem Rundgang durch die Parkanlage des Seniorenzentrums Rigahaus in Chur vor einigen Tagen waren die Tulpen noch in voller Blüte und sorgten für ein sinnliches Spektakel in Rosa und Weiss. Von ihren Balkonen aus riefen mir mehrere Bewohnerinnen ihre Komplimente für das Blumenmeer zu. Durch kontinuierliche Pflege und, wo nötig, das Nachpflanzen von Tulpen sollte jetzt unbedingt dafür gesorgt werden, dass der Frühling auch nächstes Jahr bunt bleibt.

Ich schätze es, dass ich als Gartengestalter die Möglichkeit habe, solche sinnstiftenden Aussenräume zu schaffen. Wenn wir Gärtner unsere Arbeit gut machen, können wir den Nutzern ungezählte glückliche Momente unter freiem Himmel bescheren und im besten Fall vielleicht sogar ihren Gesundheitszustand positiv beeinflussen.

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Eine geschickte Gestaltung macht einiges an Höhenmetern wett

1. Mai 2014

Im Frühling sind die regionalen Unterschiede in der Entwicklung der Vegetation besonders augenfällig. In den Bergen ist kaum der letzte Schnee geschmolzen, während die Kirschblüte im Unterland längst Geschichte ist. Gerade im Bergkanton Graubünden ist die Höhe über Meer vielerorts der limitierende Faktor bei der Pflanzenwahl. Viele Arten sind aufgrund ihrer Herkunft unseren kalten Wintern nicht gewachsen. Trotzdem finde ich, dass um das Gärtnern in Höhenlagen oftmals zuviel Aufhebens gemacht wird. Das Pflanzensortiment mag zwar eingeschränkt sein, doch in tiefergelegenen, dafür besonders schattigen oder lehmigen Gärten ist auch nicht alles möglich.

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Ein Klassiker unter den Pflanzen, die sich in der Höhe wohlfühlen: Das Edelweiss.

Eine geschickte Gestaltung macht einiges an Höhenmetern wett. So lässt sich beispielsweise durch Trockenmauern, welche vor Wind schützen und die aufgenommene Sonnenwärme gleichmässig abstrahlen, ein ausgeglichenes Mikroklima schaffen. Im Gemüse- und Obstgarten holt man mit der Wahl früher Sorten einiges heraus. Bei den Blütenstauden ist das Spektrum, welches auch in Höhenlagen gut winterhart ist, meiner Meinung nach viel grösser als allgemein gedacht. Bei der Pflanzplanung können sich Beobachtungen in der Natur als sehr hilfreich erweisen. Pfingstrosen beispielsweise klettern in ihrer Heimat locker bis auf 2000 m.ü.M hoch. Oft mag es den Gärtnern an Mut mangeln, Neues auszuprobieren. Sie setzen lieber auf Altbewährtes, als sich zu fest aus dem Fenster zu lehnen. Dabei ist es auch in der Gartenkultur die Innovation, welche uns weiterbringt und zu neuen Erkenntnissen führt.

Auch wenn es unbestritten ist, dass die Saison in den Bergen kürzer ist als in tieferen Lagen: Es gibt eine ganze Reihe Tricks, sie in die Verlängerung zu bringen, zumindest gefühlt. So sorgen Zwiebelpflanzen schon früh im Jahr für blühende Momente, und eine verglaste Pergola lässt einen den Garten auch in den kühleren Übergangszeiten und an frischen Sommerabenden geniessen.

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Stadtsalat und Balkontomaten

28. April 2014

Das Gärtnern in der Stadt ist so alt wie die Städte selbst. Heute heisst es «Urban Gardening» und ist ein eigentlicher Trend mit wachsender Anhängerschaft. Ob in Hinterhöfen, als Übergangslösung auf unbebautem Brachland oder auf dem Fensterbrett: Hip ist, wer seinen Sommersalat selber sät und erntet. Die grüne Bewegung hat ihre Ursprünge im Guerilla-Gardening, das in den 1970ern von den USA nach Europa gelangte. Was als blumige Rebellion gegen die wachsenden Betonwüsten seinen Anfang nahm, ist heute eher als ein «Zurück zu den Wurzeln» zu beschreiben. Der Bezug zur Natur droht den Stadtmenschen mehr und mehr abhanden zu kommen. Mit dem eigenen Gemüse vor der Haustüre lässt sich Gegensteuer geben, indem man sich ein kleines Stück Natur in verschiedene Töpfe und Gefässe transferiert. Der Wunsch nach mehr essbarem Grün stösst mittlerweile auch bei den Stadtverwaltungen auf offene Ohren. Sie stellen nicht selten geeignete Areale für den Gemüseanbau zur Verfügung. In ausgedienten und mit Erde gefüllten Palettrahmen sowie Plastikkübeln säen kreative Grossstadtgärtner ihre Kohlköpfe, hegen Tomaten und Peperoni. Findige Pflanzenproduzenten bieten gar eigens gezüchtete Mini-Gurken oder zierliche Zucchini-Setzlinge im Balkonformat an.

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Tomaten aus Eigenproduktion schmecken einfach besser…

Zwar ist das urbane Gärtnern in Chur und Umgebung (noch?) kein grosses Thema. Hier liegt die Natur ja auch näher als sie dies in anderen Städten tut. Grüne Interventionen im öffentlichen Raum scheinen in der Bevölkerung kein Bedürfnis zu sein. Trotzdem: Eine Tendenz zu einem Revival des Gemüsegärtnerns ist auch hier spürbar. So stellen wir gerade eine nie dagewesene Nachfrage an Hochbeeten fest, und aktuell gestalten wir einen fast 400 Quadratmeter grossen Gemüse-, Obst- , Beeren- und Kräutergarten. Ich empfinde es als Luxus, im Garten (oder auf dem Balkon), sei er nun urban oder ländlich gelegen, nach Lust und Laune eigene Vitamine anzubauen – egal wie dieser Trend gerade heissen mag. Frischer geht`s nicht! Das wussten die Bewohner mittelalterlicher Städte ebenso zu schätzen wie wir es heute und in Zukunft tun.

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Von Zünslern und Asiatischen Bockkäfern

17. April 2014

Nicht alles, was neu ist, ist bekanntlich auch gut. Dazu zählt eine ganze Reihe aus fernen Ländern eingeschleppter Schädlinge, die in Gärten und in der Natur ihr Unwesen treiben. Als blinde Passagiere haben sie sich unbemerkt den weltweiten Handelsströmen angeschlossen und sind um die halbe Welt bis zu uns gereist. Zu den altbekannten Schädlingen wie Blattlaus und Werre gesellen sich seit einigen Jahren Neulinge wie der Buchsbaumzünsler, dessen gefrässige Raupe es auf die Buchsbäume abgesehen hat. Von Basel ausgehend wurde der Zünsler vergangenen Sommer erstmals auch in der Region Graubünden so richtig aktiv. Auch in unserem Bürogarten und in der Baumschule entdeckte ich die Raupen, gegen die es glücklicherweise ein nützlingsschonendes Präparat gibt. Voraussetzung bei der Anwendung ist, dass man den Zyklus der Raupen kennt, da genau im richtigen Moment mehrere abgestimmte Spritzungen nötig sind. Auf diese Weise lässt sich der ursprünglich aus Ostasien stammende Schädling in Schach halten. Gerade in Gärten, in denen der Buchs eine tragende gestalterische Rolle spielt, gilt es, die Entwicklung genaustens im Auge zu behalten. Betroffen sind insbesondere historische Anlagen mit geschnittenen Buchskugeln oder Einfassungshecken. Der Buchs prägt mit seiner langen Geschichte die Gartenkultur massgeblich und ist in diesem Sinne unersetzlich. Meine Devise im Umgang mit dem Zünsler heisst «aufklären statt dramatisieren». Ich persönlich pflanze den Buchs für gewisse Gestaltungsabsichten auch weiterhin. Ich bin guten Mutes, dass sich die Natur diesbezüglich bald von selbst reguliert (was in Basel ja schon der Fall sein soll).

Weitaus grösseres Kopfzerbrechen bereitet den Fachleuten das Auftreten des Asiatischen Laubholzbockkäfers, kurz ALB. Im grössten Fall in Winterthur wurden 150 lebende Käfer gefangen, die Stadt liess 130 Bäume fällen. Solche Eingriffe verändern das Landschaftsbild drastisch. Der ALB gilt weltweit als einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge und steht auf der Fahndungsliste der Pflanzenschutzdienste ganz oben. Seine Larven bringen durch ihre Frasstätigkeiten die befallenen Bäume zum Absterben. Man vermutet, sie seien via Verpackungsholz von Steinprodukten in die Schweiz gelangt. Zum Aufspüren der Larven kommen auch aussergewöhnliche Methoden zum Einsatz. Speziell ausgebildete Hunde haben die Fähigkeit, mit ihren feinen Nasen die Larven aufzuspüren. Einer von ihnen ist «Pino», Mitarbeiter des Bundesamtes für Umwelt.

 

Gute Nase: Pino auf der Fährte des Asiatischen Laubholzbockkäfers.

Die Problematik der eingewanderten Schädlinge macht deutlich, dass die Gartenfreunde an vorderster Front sind, wenn es darum geht, im Aussenraum mit offenen Augen unterwegs zu sein und einen Befall frühzeitig zu entdecken. Es bleibt zu hoffen, dass die strikten Kontrollen bezüglich Asiatischem Laubholzbockkäfer ihre Wirkung zeigen und dass der gefürchtete Käfer nicht auf Ausbreitungskurs ist.

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Unkraut vergeht doch

10. April 2014

Eine Freundin von mir gerät regelrecht in Rage, wenn sie sich über den Giersch in ihrem Stadtgarten auslässt. Eine Zumutung sei das Kraut! Einmal eingeschleppt, sei seinem Ausbreitungsdrang mit natürlichen Methoden schlicht nicht beizukommen. Stundenlang ist sie ihm an die Wurzeln gegangen, hat diese Stück für Stück ausgegraben, alles vergebens. Der Giersch hat die Angriffe von Spaten und Hacke überlebt und mit noch aggressiverem Wachstum beantwortet.

Mein Rezept gegen das Wurzelunkraut? Ganz einfach: Aufhören, sich dagegen zu wehren, den Giersch stattdessen akzeptieren und seine positiven Seiten nutzen. Ja, ihr lest richtig, das ist ein Aufruf zu mehr Toleranz im Garten, denn wir können eine Pflanze ja nicht gleich ausrotten, nur weil sie nicht in unser sorgfältig zurechtgelegtes Gartenbild passt.

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«Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten jede Blume ein Unkraut» (Sprichwort aus Finnland). Im Bild der Giersch, Alptraum vieler Gärtner (Fotos: Angelika Koch-Schmid/Eva Lilje, pixelio.de).

Zu den positiven Seiten des Giersch gehören nebst den dekorativen Doldenblüten ganz klar seine frischgrünen Blätter, die vor Vitaminen und wertvollen Inhaltsstoffen nur so strotzen. Sie passen in den Frühlingssalat, aber auch in einen trendiggrünen Smoothie. Und plötzlich avanciert der verhasste Giersch im Zuge der veganen Bewegung zu einer hippen Gartenpflanze. Unkraut vergeht also doch, und sei es nur, weil man seine Haltung ändert und die eine oder andere Pflanze trotz ihres starken Ausbreitungsdrangs irgendwie ins Herz schliesst.

Auch Unkräuter sind ein Stück Gartenkultur. Sie sind ein Spiegel der jeweiligen Gartenbewirtschaftung, des Klimas und der Bodenbeschaffenheit und erzählen spannende Geschichten. Vom Giersch gibt es übrigens eine schöne Zierform, die Sorte `Variegatum` mit weiss panaschierten Blättern, die sich nur wenig ausbreitet und ideal ist als Unterpflanzung bei Bäumen.

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Sinniges und Unsinniges

2. April 2014

Die erste Arbeitsschicht beginnt in manchen Gärten schon im Morgengrauen. Während im Haus alle noch im Tiefschlaf sind, setzt sich draussen wie von Zauberhand angestellt der Rasensprenger automatisch in Bewegung und versorgt den grünen Teppich vor dem Wohnzimmer wohldosiert mit Wasser. Einige Stunden später übernimmt der Mähroboter und tut sich auf dem sonnengetrockneten Rasen an den Grashalmen gütlich. In einer Endlosschlaufe navigiert er im computergesteuerten Zufallsprinzip hin und her. In manchen Gärten gehört er fast schon zur Familie und hört auf den eigenen Namen, etwa «Shaun» (vom Film «Shaun das Schaf» entlehnt) oder «James» (der klassische Butler-Name).

In grossen Schritten hat die Automatisierung in den letzten Jahrzehnten den Garten erobert. Eine logische Folge, die dem allgemein gestiegenen Convenience-Bedürfnis entspricht. Der Garten soll primär Genuss und nicht Arbeit verheissen. Die Vorteile der elektronischen Aufrüstung liegen auf der Hand. Die Automatisierung bringt für den Gartenfreund eine immense Zeitersparnis und bewahrt ihn vor monotonen Arbeiten wie dem Rasenmähen oder dem Giessen. Durch die Regelmässigkeit des Mähens fördert der Roboter als angenehmer Nebeneffekt die Bildung einer dichten Grasnarbe. Und mit einer computergesteuerten, ausgeklügelten Bewässerung lässt sich sogar Wasser sparen, wenn diese gezielt und bedarfsorientiert zum Einsatz kommt.

«Man kann alles übertreiben» war mein erster Gedanke, als ich neulich im Internet einen Bericht über die «interaktive Pflanzenpflege» las. Eine Schweizer Firma hat einen Sensor für den Blumentopf entwickelt, der bei austrocknenden Wurzeln automatische eine SMS ans Smartphone versendet mit der Aufforderung, doch Mal wieder den Ficus in der Stube zu giessen. Na ja, für Leute mit einem verkümmerten Grünem Daumen, die trotzdem nicht auf lebendes Grün verzichten wollen, bestimmt eine gute Sache…

 

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Für alle, die keinen Grünen Daumen haben: Dieser Sensor gibt per SMS Bescheid, wenn die Pflanze Durst hat. (Foto www.koubachi.com)

 

Ob der modernen Annehmlichkeiten darf aber eines nicht vergessen gehen, nämlich das Sinnstiftende, das mit der Gartenarbeit einhergeht. Wie erholsam und befriedigend ist es doch für Geist und Körper, draussen aktiv zu sein? Ein Garten ist ein Stück Natur, er wächst und lebt. Moderne Technik darf und sollte durchaus zum Einsatz kommen, aber nur dort, wo sie auch wirklich Sinn macht. Dabei darf der Bezug zum Boden und zu den Ursprüngen des Gärtnerns nicht in Vergessenheit geraten. Denn was gibt es Schöneres, als mit blossen Händen in der Erde zu wühlen?

 

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Stopp der Einwanderung – auch bei invasiven Neophyten?

31. März 2014

Still und leise sind sie in den vergangenen Jahrzehnten über die grüne Grenze eingewandert oder haben sich unbemerkt aus den Gartenbeeten gestohlen und in der freien Natur Fuss gefasst. Die Rede ist von den sogenannten „Neophyten“, eine Bezeichnung für Pflanzen, die bei uns ursprünglich nicht heimisch waren. Das Wort „Neophyt“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „neue“ Pflanze. Als „neu“ gilt dabei alles, was nach der Entdeckung Amerikas 1492 zu uns gelangte. Ab diesem Zeitpunkt nahmen der Welthandel und somit auch der Austausch von Pflanzen laufend zu. Die Wahl dieser Zeitschwelle lässt sich allerdings hinterfragen, wuchsen doch bereits im Mittelalter in den Klostergärten eine ganze Reihe gebietsfremder Pflanzen wie die Kornelkirsche (Cornus mas), die heute als einheimisch gilt.  Meiner Meinung nach wird in den Gärten der Frage nach einheimischen oder nicht einheimischen Arten oftmals eine zu hohe Bedeutung beigemessen. Klar geht es darum, mit einer Pflanzung auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Dennoch: Unsere reiche Gartenkultur würde ohne eingeführte Pflanzen in der heutigen Form gar nicht existieren. Wollten wir nur noch Einheimisches pflanzen, müssten wir auf sehr viele Pflanzenschätze verzichten.

Zugegeben: Während einige der „Neulinge“ sich problemlos in den Gärten zu integrieren vermochten und längst Teil unserer Gartentradition geworden sind, verursachen andere Probleme, indem sie auswildern und mit ihrem starken Ausbreitungsdrang die einheimische Flora verdrängen. Diese Arten gelten als „invasive“ Neophyten. Ein Begriff, der einen glauben macht, im Pflanzenreich herrsche ein regelrechter Krieg. Längst hat sich auch der Bund der Thematik angenommen und bläst mit einer „Freisetzungsverordnung“ zur Verteidigung an der grünen Grenze auf.

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Die Kanadische Goldrute, der Klassiker unter den Neophyten (Bild Silke Bogorinski, pixelio.de)

Zu den geächteten Pflanzen zählen etwa die Kanadische Goldrute oder der Japanische Knöterich, aber auch Gehölze wie Sommerflieder und Kirschlorbeer. Als Gartenfreund tut man gut daran, diese Arten zu kennen und aus seinem Aussenraum zu verbannen (www.neophyten-schweiz.ch). Alternativen zu den aufgelisteten Problemkräutern gibt es zur Genüge. Mit etwas Kreativität gelingt es, attraktive  Ersatzpflanzen zu finden.  Der allseits bekannte und oft gesehene Kirschlorbeer etwa lässt sich ideal mit einer verwandten Art, dem Portugiesischen Kirschlorbeer austauschen. Die Neophyten-Thematik hat also insofern etwas Gutes, lässt sie uns doch gewisse Pflanzenverwendungen hinterfragen und neue Wege gehen.

Die Sortimente der Baumschulen entwickeln sich diesbezüglich laufend weiter, und so können etwa Liebhaber des Sommerflieders aufatmen: Aktuell sind neue Sorten im Handel, die sich bedenkenlos setzen lassen, da sie brav an Ort bleiben und sich nicht unkontrolliert ausbreiten. So bleibt gespannt abzuwarten, ob wir die Einwanderung neuer Pflanzen in den Griff kriegen und dabei eine gesunde Balance finden… Augenmass ist nötig, damit nicht harmlose und wertvolle Gartenpflanzen zu Unrecht verteufelt werden. Immerhin ist es nur eine von 1000 gebietsfremden Arten, die Probleme verursacht.

 

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Die Rose als Symbol der Gartenkultur

20. März 2014

Der März bietet Gelegenheit für die letzten Schnittarbeiten an den Rosen. Bald werden aus den reifenden Knospen Blätter, Triebe und ab Juni wunderschöne, im Idealfall betörend duftende Blüten entstanden sein. Die Rose hat es mit ihrer Vielfalt, den Farben und den differenzierten Duftnoten geschafft, sich als Blume einen Bekanntheitsgrad zu verschaffen, der Seinesgleichen sucht. Selbst der grösste Pflanzenmuffel kennt sie, und dies nicht zuletzt aufgrund ihrer Symbolik als edle Blume der Liebe. Sie kann als historisch bezeichnet werden, denn sie begleitet die Menschen seit vielen Jahrhunderten und wuchs schon vor den Häusern der Römer, die sie der Göttin Venus weihten. Sie nutzten nicht nur die wohlriechenden Blätter als Dekoration ihrer üppigen Tafeln, sondern schätzten die Rose überdies als Heilpflanze, die bei Dutzenden verschiedener Erkrankungen von Entzündungen bis hin zu Zahnschmerzen zur Anwendung kam. Jahrhunderte später setzte die bewusste Züchtungsarbeit ein, und aus den verschiedenen Wildrosen aus aller Welt entstanden neue Kreuzungen und eine unglaubliche Sortenvielfalt.

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«Jemand, der den Duft einer Rose nicht riecht, wird doch nicht darüber kritisieren dürfen; und riecht er ihn, à la bonne heure! Dann wird ihm die Lust vergehen zu kritisieren.» Friedrich Nietzsche

Für viele Pflanzenfreunde ist ein Garten ohne Rosen kein Garten. Sie sammeln die edle Blume in allen Variationen, statten den Rosarien Europas Besuche ab und bringen von ihren Entdeckungsreisen immer neue Lieblinge nach Hause, seien es Beet-, Edel-, Strauch- oder Kletterrosen. Sie zeugen von langer Tradition und sind pflanzliche Gartenkulturgüter, die in unseren Beeten einen prominenten Platz verdient haben. Der gestalterische Umgang mit den Rosen ist immer auch ein Spiegel des aktuellen Zeitgeistes. Waren einst streng geometrische Pflanzflächen mit Edelrosen angesagt, sind es heute vielmehr verspielte Mischpflanzungen, bei denen ausgesuchte Blütenstauden die Rosen romantisch umspielen.

Echte Rosenliebhaber scheuen keine Mühe, ihre Schützlinge zu pflegen. So traf ich anlässlich eines Gartenbesuchs in der Nähe von Bern auf einen pensionierten Gärtnermeister, der das Blätterkleid seiner Rosen regelmässig mit Steinmehl bestäubt, um Pilzkrankheiten vorzubeugen. Dazu bedient er sich einer ausgeklügelten Methode: Nach langer Suche fand er via Internet in Japan ein kleines, handbetriebenes Dosiergerät, welches durch Drehen einer Kurbel das eingefüllte Steinmehl fein verstäubt. Täglich widmet er seinem Rosengarten, der notabene Hunderte verschiedener Exemplare enthält, mehrere Stunden und erfindet immer neue Pflegekniffs und -tricks. Solche Leute tragen dazu bei, dass das Rosenerbe bewahrt und die edle Blume auch in Zukunft unverzichtbarer Bestandteil unserer Gärten sein wird.

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